Sicherheitsventile

Image of a safety valve.

Exemplarische Darstellung. Nicht maßstabsgetreu.

Sicherheits­ventile schützen die Komponenten einer Anlage gegen das Auftreten von unzulässig hohen Drücken, welche deren Designdrücke überschreiten würden. Sicherheits­ventile öffnen, wenn ein bestimmter Druck erreicht wird, um Prozess­medium aus dem betroffenen Anlagen­volumen abfließen zu lassen und einen weiteren Anstieg des Druckes zu verhindern. Sie werden in der Regel am oberen Ende des zu schützenden Volumens angebracht, so dass bei Komponenten, die tiefer liegen, bei der Festlegung des Designdrucks der Einfluss des hydrostatischen Druckes berücksichtigt werden muss. Für Sicherheits­ventile kommen bei der Fertigung die Konformitäts­bewertungs­verfahren gemäß Kategorie IV der Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU zur Anwendung.

Sicherheits­ventile dürfen nur in Störfällen öffnen, was bedeutet, dass mindestens ein unabhängiger Mechanismus implementiert sein muss, zu dessen Aufgaben es gehört, einen Anstieg des Drucks hoch zum Ansprechdruck des Sicherheits­ventils zu verhindern. Das Sicherheits­ventil limitiert den Druck, falls dieser unabhängige Mechanismus versagt.

Ansprechdruck und Schließdruck

Der Druck, bei dem ein Sicherheits­ventil öffnet, wird als Ansprechdruck bezeichnet. Im Gegensatz dazu ist der Schließdruck der Druck, bei dem sich das Sicherheits­ventil wieder schließt. Der Schließdruck wird in der Regel als Prozentsatz des Ansprechdrucks ausgedrückt und liegt oft bei einem Wert von 90%. Ein einmal geöffnetes Sicherheits­ventil schließt in diesem Fall also erst wieder, wenn der Druck im betroffenen Anlagen­volumen auf einen Wert abgesunken ist, der um 10% Prozent unter dem Ansprechdruck liegt. Bei feder­belasteten Sicherheits­ventilen kann diese Differenz zwischen Ansprechdruck und Schließdruck durch eine sogenannte Staukammer erzeugt werden. Die Staukammer bewirkt, dass die Fläche, über welche der Druck des Prozess­mediums eine gegen die Feder gerichtete Kraft erzeugt, im geöffneten Zustand des Sicherheits­ventils größer ausfällt als im geschlossenen Zustand. Aufgrund dieser Differenz ist der Druck, der im zugehörigen Anlagen­volumen erforderlich ist, um ein bereits offenes Sicherheit­sventil im offenen Zustand zu halten, niedriger als der Druck, der erforderlich ist, um das Sicherheits­ventil anfänglich zu öffnen.

Die Differenz zwischen Ansprechdruck und Schließdruck wird als Schließdruck­differenz bezeichnet und wird in der Regel, wie der Schließdruck selber, als Prozentsatz des Ansprechdrucks ausgedrückt.

Abblasedruck

Der Abblasedruck bezeichnet den Druck im geschützten Anlagen­volumen, bei dem das Sicherheits­ventil den maximalen von der Auslegung geforderten Massenstrom erreicht. Der Abblasedruck wird in der Regel als Prozentsatz des Ansprechdrucks ausgedrückt und kann höher als dieser ausfallen. Die zulässige maximale Differenz zwischen Ansprechdruck und Abblasedruck hängt von den anzuwendenden Normen ab. Gemäß der Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU ist eine Überschreitung des Ansprechdrucks von 10% zulässig.

Die Differenz zwischen Ansprechdruck und Abblasedruck wird als Öffnungsdruck­differenz bezeichnet und wird in der Regel, wie der Abblasedruck selber, als Prozentsatz des Ansprechdrucks ausgedrückt.

Ausgleichs­faltenbalg

Um zu verhindern, dass der Druck auf der Austritts­seite das Öffnungs- beziehungsweise das Schließ­verhalten beeinflusst, können feder­belastete Sicherheits­ventile mit sogenannten Ausgleichs­faltenbalgen ausgestattet werden. Es gilt zu berücksichtigen, dass im Falle einer Druck­entlastung ein Anstieg des Drucks auf der Austritts­seite aufgrund dynamischer Druckverluste in der Austritts­leitung weiterhin die Druckdifferenz über das Sicherheits­ventil reduziert und damit die Abblasekapazität des Sicherheits­ventils beeinflusst.

Ein- und Austritts­leitungen

Im Falle einer Druck­entlastung, wenn ein Sicherheits­ventil anspricht, entstehen dynamische Druckverluste über die Ein- und Austritts­leitungen. Diese Druckverluste haben einen Einfluss auf die Prozessbedingungen am Sicherheits­ventil und müssen bei der Auslegung berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass die erforderliche Abblasekapazität nichtsdestotrotz wird.

Bei übermäßigen dynamischen Druckverlusten über die Ein­leitungen kann die Druckdifferenz über das Sicherheits­ventil so weit reduziert werden, dass es schließt, trotz weiterhin überhöhtem Druck im betroffenen Anlagenvolumen. Mit der Unterbrechung der Strömung und dem Wegfall der dynamischen Druckverluste steigt die Druckdifferenz über das Sicherheits­ventil wieder an, was dazu führen kann, dass es sich erneut öffnet. Dieser Effekt kann ein wiederholtes, schnelles Öffnen und Schließen des Sicherheits­ventils verursachen und langfristig zu Schäden an selbigem führen.